Das Grüne Herz der Insel: Keitum in Sylt Ost (mit Karte)
Freitag, den 1. Februar 2008
Keitum (Sylt)
Das rund 700 Einwohner zählende Keitum war früher die Hauptstadt von Sylt und zählt heute zu einem der schönsten Friesendörfer der Insel,
wenn nicht im gesamten Kreis Nordfriesland. Direkt am Watt gelegen
besticht Keitum durch seinen geradezu malerisch idyllischen Charme aus
prachtvollen alten Reetdachhäusern und kleinen verwinkelten Gassen,
welche durch das mildere Klima an der Wattseite im Sommer dicht begrünt
und mit romantischen Alleen zu einem ausgiebigen Spaziergang durch den
historischen Ortskern einladen.
Die alten Reetdachhäuser des Ortes wurden hauptsächlich um das 18. Jahrhundert erbaut, für Sylt – damals noch von Wahlfang lebend – eine goldene Zeit. Die Seefahrer und Wahlfänger brachten nach
monatelanger Fahrt oft exotische Kostbarkeiten wie Tee oder Gewürze mit
nach Hause.
Vom Tourismus hat Keitum allerdings erst relativ spät profitiert. So
wurde erst im Jahre 1970 das erste Hotel in der Gemeinde eröffnet.
Rasch folgten kleine Boutiquen, Kunsthandwerker und Teestuben.
Speziell für letztere beiden ist das Dorf auf der ganzen Insel berühmt.
Nirgends lässt sich so gemütlich einer der vielzähligen Friesentees
genießen wie hier. Selbstverständlich zusammen mit einer original
Sylter Friesentorte, einer Mischung aus Blätterteig, Sahne und
Pflaumenmus mit Rum. Galt früher einst Kampen als das unbestrittene
Künstlerdorf auf Sylt, so hat es seinen Titel längst an Keitum
abgegeben. Nirgends sonst finden sich so viele Glasbläser und
Goldschmiede wie in dem idyllischen Dorf im Osten der Insel.
Auch der Verein für Sylter Bräuche, der „Söl’ring Foriining“, hat hier seinen Sitz und betreibt unter anderem zwei Museen über die Geschichte Sylt. Eines ist das so genannte „Altfriesische Haus“,
welches das Leben eines Wahlfängers mit original Mobiliar aus dem 18.
Jahrhundert den Besuchern näher bringen will. Desweiteren gibt noch das
Sylter Heimatmuseum, ein Kapitänshaus aus dem selben
Jahrhundert, Einblick in die Geschichte der Insel Sylt (beide Museen
sind ganzjährig geöffnet).
Eine der größten Attraktionen ist jedoch dem Ortskern ausgelagert:
Die um das 12. Jahrhundert erbaute und seitdem ständig erweiterte
Seefahrerkirche St. Severin ist das älteste
mittelalterliche Gebäude auf der Insel und ein Besuch gehört für jeden
Sylt Urlaub zum Pflichtprogramm. Nachdem zuerst das Kirchenschiff
errichtet wurde, folgte im 13. Jh. ein massiver aus Sandstein
gefertigter Taufstein sowie im 15. Jh. schließlich der Kirchturm,
welchen die St. Severin bereits bei der Bahnfahrt nach Sylt in
Fahrtrichtung rechts von weitem erkennen lassen. Öffentliche
Gottesdienste finden jeden Mittwoch statt, Führungen können immer
Donnerstags gebucht werden.
Weitaus ältere Zeitzeugen finden Sie direkt an der Wattseite: Die zwei so genannten Hünengräber Harhoog und Tipenhoog stammen aus der Steinzeit, genauer gesagt aus den
Jahren um bis zu 4000 vor Christus. Während das eine nur noch aus
Überresten besteht, existiert das andere noch vollständig als Hügel,
von dem aus Sie einen grandiosen Blick über die Keitumer Bucht haben
werden.
Ein weiteres Highlight, speziell für Familien mit Kindern, sind Planwagenfahrten durch das historische Keitum. Der Planwagen wird von zwei Pferden
gezogen und ist eine prima Gelegenheit, den Ort an einem sonnigen
Nachmittag auf die wohl gemütlichste Weise kennen zu lernen.